Martyrer von Sigüenza, Fernán Caballero und Tarragona

 

Die 51 Claretiner-Martyrer von Barbastro, die ihren Glauben und ihre Berufung im Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939) mit ihrem Leben bezeugten, sind vielen ein Begriff. Sie sind aber nicht die einzigen Claretiner, die damals ihr Leben opferten. Am 13. Oktober 2013 wurden 23 weitere Claretiner-Martyrer seliggesprochen.

 

Martyrer von Sigüenza und Fernán Caballero

Pater José María Ruiz Cano, unser Martyrer-Mitbruder von Sigüenza

 

Die Geschichte des Präfekten unseres Seminars in Sigüenza ist besonders ergreifend: Als deutlich wurde, dass auch das Seminar von Sigüenza nicht sicher war vor der Verfolgung gegen die Kirche, rief P. José María Ruiz Cano, der 26-jährige Präfekt der Postulanten, alle Seminaristen in der Hauskapelle zusammen und erklärte ihnen die Situation. Sie sollten in verschiedenen Gruppen mit jeweils einem Pater in den umliegenden Dörfern Unterschlupf suchen. Dann kniete er sich in der Hauskapelle des Seminars vor die Herz-Marien-Statue und betete laut: „Wenn du ein Opfer willst, Mutter, ich bin dazu bereit; wähle mich, aber lass nicht zu, dass einem von diesen Unschuldigen, die keinem etwas zu leide getan haben, etwas zustößt.“ Das sollte sich am 27. Juli 1936 erfüllen. P. José Ruiz Cano wurde ermordet, seine Schützlinge überlebten. Ergriffen erzählte dies auch P. Pedro Prieto, einer der damaligen Postulanten, unserem Provinzial in seinem Noviziat in Spanien.

 

Martyrer von Fernán Caballero

 

Aus unserem Theologat in Zafra floh zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs eine Gruppe von Missionsstudenten nach Ciudad Real, einem Ort, der damals sicherer schien. Als die Studenten dort waren und sich die Lage zusehends verdüsterte, begriffen die Oberen der Provinz Bética, dass auch jener Ort nicht die Gewähr und den Schutz bot, den er anfangs zu bieten schien. Und so beschlossen sie, nachdem sie falsche Sicherheitsversprechen erhalten hatten, die Studenten, die in Ciudad Real Zuflucht gesucht hatten, nach Madrid zu verlegen.

 

Wie Zeugen der Ereignisse aussagen, wurden sie am Bahnhof von Ciudad Real trotz ihrer weltlichen Kleidung als Ordensleute erkannt. An der ersten Haltestelle der Fahrt zwangen sie einige Milizionäre unter Beleidigungen und Todesdrohungen, aus dem Zug auszusteigen.

 

Ihre Drohungen wurden Wirklichkeit. Sobald sie auf dem Boden waren, wurden sie zwischen den Gleisen des Bahnhofs bei der Ortschaft Fernán Caballero aufgestellt. Als sie zwischen Gleis 2 und Gleis 3 in einer Reihe standen, ging die Salve los, die ihrem Leben ein Ende machte. Unter Rufen wie „Es lebe Christus, der König!“ und „Es lebe das Herz Mariens“ wurden unsere Studenten im Gewehrfeuer zu Martyrern. Es war am 28. Juli 1936.

 

Die Namen der vierzehn Claretiner-Martyrer, die in Fernán Caballero (Provinz Ciudad Real) ihr Leben für ihren Glauben, für ihre Berufung und für Christus hingaben, sind: Tomás Cordero, Claudio López, Angel López, Primitivo Berrocoso, Antonio Lasa, Vicente Robles, Melecio Pardo, Antonio María Orrego, Otilio del Amo, Candido Catalán, Ángel Pérez, Abelardo García, Gabriel Barriopedro und Jesús Aníbal Gómez, wobei letzterer kolumbianischer Staatsangehöriger war.

 

Zu ihnen kommt noch Bruder Felipe González, der ebenfalls in Fernán Caballero als Martyrer starb, und zwar am 2. Oktober 1936 am Friedhofstor.

 

Martyrer von Tarragona

 

Während die bisher genannten Martyrer fast alle zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt waren, handelte es sich bei den sieben Claretiner-Martyrern von Tarragona um eher ältere Mitbrüder. Mit seinen 45 Jahren gehörte Bruder Antonio Capdevila zu den Jüngeren. Er war Schneider von Beruf. Als der Bürgerkrieg ausbrach, kümmerte er sich um einen alten Bruder, den er bei den Kleinen Schwestern in Reus in Sicherheit brachte. Dann wollte er weiter zu seinen Angehörigen in der Nähe von Lérida. Als der Zug in Vimbodí ungewöhnlich lang hielt, stieg er aus, um sich umzusehen, und wurde verhaftet. Man brachte ihn vor das örtliche Revolutionskomitee und dann an die Landstraße zum Erschießen. Als erster aus der Gemeinschaft Tarragona starb er am 24. Juli 1936. Die einfachen Leute aus dem Ort sammelten mit seinem Blut bespritzte Kieselsteine als Reliquien.

 

Nur fünf Tage später starb P. Jaume Mir. Er war Philosophieprofessor an der Päpstlichen Universität Tarragona. Da aber beim Ausbruch des Bürgerkriegs längst Sommerferien waren, hielt er Exerzitien bei den Karmelitinnen von der Nächstenliebe in Esplugas de Francolí. Am 21. Juli musste die Gemeinschaft das Haus verlassen. Die Exerzitien wurden im Haus des Kaplans fortgesetzt. Danach erhielt er vom örtlichen Komitee einen Passierschein für eine Fahrt nach Tarragona. Doch jemand muss ihn verraten haben, denn bevor er abreisen konnte, wurde ihm der Schein wieder entzogen. Als er einen neuen beantragte, sagte man ihm, man werde ihn zum Komitee von Montblanc begleiten. Was dabei genau vor sich ging, ist unbekannt. Jedenfalls wurde seine Leiche am 29. Juli nachmittags am Friedhof in Tarragona eingeliefert.

 

Bruder Sebastián Balsells fand in seinem Elternhaus in Fullola bei Lérida Zuflucht, wo sich auch eine Schwester von ihm aufhielt, die Ordensschwester geworden war. In der Nacht vom 15. zum 16. August wurden sie festgenommen, angeblich um sie zum Komitee nach Tárrega zu bringen. Ganz ehrlich fragte er: „Ihr bringt mich jetzt um, oder?“ Ebenso ehrlich erhielt er die Antwort: „Ja.“ Wie sein Namenspatron wurde er an einen Baum gebunden und erschossen. Ein Förster beobachtete die Szene. Die Milizionäre bedeckten die Leiche mit Brennholz und zündeten sie an.

 

Zur Gemeinschaft Selva del Camp bei Tarragona gehörten die beiden Claretinerbrüder Andrés Felíu und Pablo Castellà, die beide lange Jahre als Missionare in Spanisch Guinea gewirkt hatten. Da sie beide aus Selva del Camp stammten, kamen sie dort bei ihren Angehörigen unter. Das ging ein Vierteljahr lang gut, bis Abgesandte des Komitees von Reus mit einer Liste von Erschießungskandidaten auftauchten.

Da machte einer den Vorschlag: „Begnügt euch doch mit den Ordensleuten!“ Die Milizionäre gingen darauf ein. Die einzigen Ordensleute am Ort waren die beiden alten Claretinerbrüder. Sie wurden am 26. Oktober 1936 auf dem Gemeindegebiet von Reus erschossen. 

 

Auf einem berüchtigten Gefängnisschiff im Hafen von Tarragona wurde Antonio Vilamassana interniert. Auch der 76-jährige Bruder war Missionar in Spanisch Guinea gewesen. Am 25. August sollte er zusammen mit weiteren Gefangenen auf ein Gefängnisschiff in Barcelona verlegt werden. In Wirklichkeit ging die Fahrt aber zum Friedhof von Valls. Die Opfer blieben dort ohne Gnadenschuss halbtot liegen. Nach zwei Stunden zwangen die Milizionäre die Totengräber, die Erschossenen zu begraben, obwohl sie noch nicht alle tot waren.

P. Federico Vila kam in der Wohnung von zwei alten Frauen unter. Am 24. Juli überstand er zunächst eine Durchsuchung. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er sich anschließend nicht mit „Salud“ verabschiedete, wie es bei den Revolutionären üblich war, sondern mit „Adiós“. Er wurde festgenommen und auf ein Gefängnisschiff im Hafen gebracht. Dort stellte er auf Anraten des Kommandanten einen Antrag auf Entlassung, der tatsächlich bearbeitet wurde. Doch als am 11. November der Freilassungsbescheid eintraf, war es schon zu spät. Ein Anarchistenkommando hatte ihn bereits zum Erschießen abgeholt.

 

 

– Heiliger Antonius Maria Claret, Selige Claretiner-Martyrer, bittet für uns!